Donnerstag, 09. September 2010   
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Buchtipp: Glaube, der nach Freiheit schmeckt PDF Drucken E-Mail
Glaube der nach Freiheit schmeckt

Andreas Knapp/Melanie Wolfers

Glaube, der nach Freiheit schmeckt
Eine Einladung an Zweifler und Skeptiker

Pattloch-Verlag, München 2009.
336 Seiten, EUR 17,50 (ISBN 978-3-629-02227-1).

Beide Autoren dieses mutigen und ermutigenden Buches sind Ordensleute, gehören mithin der „selten gewordenen Gattung Mönch und Nonne“ an, wie sie einleitend schreiben. Melanie Wolfers ist Salvatorianerin, gelernte Theologin, war im Auftrag ihres Ordens mehrere Monate in der Westbank Sozialarbeiterin und leitet heute in Wien „IMpulsLEBEN“, eine Initiative der Salvatorianerinnen mit Angeboten für junge Erwachsene. Der als Schriftsteller und Lyriker hervorgetretene Andreas Knapp gehört zu den Kleinen Brüdern vom Evangelium, war vorher Direktor eines Theologenkonvikts, lebte dann in seiner in der Tradition der französischen Arbeiterpriester stehenden Gemeinschaft in Frankreich und in Bolivien und ist heute „Packer am Fließband“ im durch und durch säkularisierten Leipzig.

 

Beide Autoren scheuen nicht die Begegnung mit „Zweiflern und Skeptikern wie auch Christinnen und Christen, die ihren Glauben tiefer verstehen wollen“. Im Gegenteil, sie sehen das als besondere Herausforderung und vertreten offensiv einen „Glauben, der nach Freiheit schmeckt“.

Ihre Grundfrage lautet: Wie kann der Glaube an Gott, der dem Menschen seit seinen Anfängen in die Wiege gelegt ist, als Grundlage menschlicher Emanzipation verstanden und gelebt werden?

In sieben Kapiteln („Tagen“) diskutieren sie, ausgehend von den Thesen des Atheisten Richard Dawkins, auf dem Hintergrund des naturwissenschaftlichen Weltbildes und des modernen Lebensgefühls Grundfragen des Glaubens in einer erfrischend zeitgemäßen Sprache.

Die Gespräche, die auch einen Einblick in ihren persönlichen Alltag als Ordensleute geben, münden in die zentralen Fragestellungen des Buches: Kann der Mensch auf Religion verzichten? Fördert Religion Gewalt? Lassen sich Evolutionstheorie und Schöpfungsgedanke miteinander vereinbaren? Wer ist Jesus von Nazareth und warum fasziniert er bis heute so viele Menschen? Das Buch regt an, über das eigene Leben nachzudenken. Welche Orientierung kann uns der Glaube in einer pluralen und unübersichtlichen Welt geben? Wie gehen wir mit der Würde und Last der Freiheit um, mit Erfahrungen erlittenen Unrechts, mit Leitung und Autorität, Leid und Tod?

Die Lektüre dieses auch humorvoll geschriebenen Buches ist befreiend. Man kann es durchaus auch kritischen Zeitgenossen, ohne rot zu werden, in die Hand geben.

s.b.

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 13. Januar 2010 )